Silbermond besingt, was Anleger sich „…in einer Welt, in der nichts sicher scheint“ wünschen. Finanzprodukte bewegen sich grundsätzlich im „magischen Dreieck“ zwischen Sicherheit, Rendite und Verfügbarkeit. Wie viel Sicherheit zu haben ist.
4,4 Billionen Euro Geldvermögen hatten die Deutschen am Ende des Finanzkrisenjahres 2008, meldete die Bundesbank. Ihre Scherflein wollen so gut wie alle, nämlich 91 Prozent, vor allem „sicher“ anlegen. „Die meisten verbinden mit Sicherheit festen Zins und feste Laufzeit“, sagt Frank Benz, Vorstand der Stuttgarter „Benz AG – Partner für Vermögen“. Fast vierzig Prozent ihres Geldvermögens, in Zahlen 1743 Milliarden Euro, horten die Deutschen in Spar-, Sicht-, Termingeldeinlagen und Bargeld. Nur muss der diplomierte Wirtschaftswissenschaftler die Hoffnung enttäuschen: „Es gibt keine Geldanlage, die zu hundert Prozent sicher ist.“ In den letzten hundert Jahren haben Währungsreformen und Weltkriege genau diese Geldanlagen mehrfach zusammengeschmolzen oder komplett vernichtet. Zwar gibt es inzwischen diverse Einlagensicherungssyteme (s. Kasten). Doch auch diese Sicherheit ist eine scheinbare. „Denn im schlimmsten Fall würde Geld gedruckt, um den Garantien nachzukommen“, mahnt Frank Benz, „Und damit würde der reale Wert des Geldes insgesamt sinken.“
Ein weiteres knappes Drittel ihres Geldvermögens, genau 1263 Milliarden Euro, vertrauen Deutsche Versicherungen an. „Man braucht die Dienstleistung einer Versicherung in gewissen Fällen“, sagt Frank Benz und verweist dafür auf den Alleinverdiener, der Frau, Kinder und Haus durch eine Risikolebensversicherung absichert. „Doch die meisten vermischen die Ziele Geldanlage und Versicherung.“ Und verzichten dafür auf mögliche Rendite. So beläuft sich der Kostenanteil z.B. bei Kapital-Lebens- oder Rentenversicherungen auf bis zu dreißig Prozent. Nur auf den restlichen Sparanteil gibt es den inzwischen mickrigen Garantiezins von 2,25 Prozent. Die Erwirtschaftung etwaiger Überschüsse ist unsicher.
Die Anleihe wird gern als „risikoarm“ empfohlen. Doch die Finanzkrise hat jüngst wieder gezeigt, wie wichtig es dabei ist, auf den Herausgeber zu achten. „Statt dem Label Anleihe blind zu vertrauen, müssen Anleger auf den Emittenten und dessen Bewertung achten“, rät der. Staaten, Bundesländer, Kommunen, Institutionen und Unternehmen geben Anleihen heraus. Als Leitlinien zur Orientierung bewerten Ratingagenturen deren Bonität, also ihre voraussichtliche Rückzahlungsfähigkeit, mit Noten von einem dreifachen A, der Bestnote, bis zum D für Bankrott. Laut Stiftung Warentest verkaufen derzeit einzelne Banken jedoch Produkte als Anleihe, die gar keine sind, sondern z.B. Zertifikate. „Für Anleger ist darum eine qualifizierte Beratung auf Honorarbasis unabhängig von Provisionen von entscheidender Bedeutung“, betont der bankenunabhängige Vermögensverwalter Frank Benz.
Neben ihrem Geldvermögen besitzen die Deutschen Immobilien- und Sachvermögen in Höhe von 5,5 Billionen Euro. „Betongold ist wertvoller als Geld auf dem Konto, dient aber eher der Lebensqualität als der Altersvorsorge“, erklärt Frank Benz. Bereits im letzten Jahrzehnt blieb der Wert der meisten Immobilien gleich oder sank. In Zukunft wird die demografische Entwicklung den Wiederverkaufswert der Häuser in vielen Regionen senken.
Ausgerechnet jenen Sachwert, dem Kleinanleger am wenigsten vertrauen, bewerten Profis hoch: die Aktie. „Dieses Stück Papier verkörpert einen Anteil an einem real existierenden Unternehmen, das oftmals über Grundstücke, Gebäude und Maschinen verfügt“, erklärt Frank Benz, fügt aber hinzu: „Für einen Kleinanleger ist es riskant auf einen Einzeltitel zu setzen; für ihn ist es sicherer in ETF, die meist einen Index abbilden, oder Investmentfonds zu investieren.“
Wie lässt sich nun wirklich „Sicherheit“ in der Anlagestrategie erreichen? „Setzen Sie nie alles auf eine Karte“, betont Frank Benz. Er sieht die Anlageformen vielmehr als elementare Bausteine zum Vermögensaufbau. Dazu zählt er Festgeld, Anleihen und Sachwerte wie Immobilien, Aktien, aber auch Gold, Kunst, Wein und andere Liebhaberstücke. Um die individuell passend zusammenzustellen, braucht es Systematik. Zuerst kommt die Bestandsaufnahme: Was sind die Lebensziele? Welche individuelle Risikostruktur bin ich bereit einzugehen, um diese zu erreichen? Dann werden über die Parameter „Laufzeiten“ und „Verfügbarkeit“ die entsprechenden Sicherheitsklassen für die eigene Geldanlage definiert und das Vermögen demgemäß individuell strukturiert. „Aber das ist nicht an einem Tag getan“, weiß Vermögensverwalter Frank Benz aus seiner Erfahrung: „Das ist ein lebensbegleitender Prozess.“


